Wandel. Wachstum. Zukunft.
Mainovas Geschäftsjahr 2025
Brief an unsere Aktionärinnen und Aktionäre
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
2025 war für die Energiebranche erneut ein Jahr großer Unsicherheiten. Volatile Energiepreise, Verwerfungen an den Rohstoffmärkten und geopolitische Spannungen haben weltweit die Märkte geprägt. In diesem Umfeld hat Mainova Stabilität und Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt und mit 252,4 Mio. Euro ein sehr gutes Ergebnis erzielt.
Wir nutzen diese Kraft: Unsere neu ausgerichtete Unternehmensstrategie ist eingeführt und wir entwickeln sie kontinuierlich weiter. Sie verbindet profitables Wachstum mit dem Anspruch, die Energiewende in Frankfurt und der Region spürbar voranzubringen – und zugleich wirtschaftliche Stabilität zu sichern. Auf dieser Grundlage treiben wir für die Menschen und Unternehmen die Transformation der Energieversorgung gezielt und mit Augenmaß voran. Denn sie ist heute vor allem ein Infrastrukturprojekt: kapitalintensiv, langfristig und abhängig von stabilen, verlässlichen Rahmenbedingungen.
Deshalb haben wir unsere Investitionsplanung auf ein tragfähiges Fundament gestellt. Bis 2040 wollen wir rund 7 bis 8 Milliarden Euro investieren – in Erzeugung, Netze, den Ausbau der Fernwärme und erneuerbare Energien sowie die weitergehende Digitalisierung. Mit der Eigenkapitalstärkung, die bereits in Höhe von 700 Millionen Euro umgesetzt werden konnte, haben wir gemeinsam mit Ihnen die Basis dafür geschaffen. Für Ihr damit verbundenes, klares Bekenntnis zu Mainova und zur Energiezukunft in Frankfurt und der Region sind wir dankbar.
Dass wir auf diesem Weg vorankommen, zeigt die Ergebnisentwicklung unserer Segmente. Unser operatives Kerngeschäft in der Strom- und Gasversorgung sowie der Fernwärme und Erzeugung trägt substanziell zu dem guten Ergebnis bei. Gleichzeitig bleibt im Vertrieb das Marktumfeld herausfordernd. Doch auch hier zeigen wir mit konsequenter Kundenorientierung unsere Wettbewerbsfähigkeit.
Weltweit steigen die Investitionen in saubere Energietechnologien. Das ist eine gute Botschaft! Auch, dass der Fokus energiepolitisch zunehmend auf Resilienz, Versorgungssicherheit und der Stärkung von Wettbewerbsfähigkeit liegt, begrüßen wir. Für Deutschland wird 2026 energiepolitisch erneut ein Schlüsseljahr. Von der Ausgestaltung des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes über die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bis hin zur Kraftwerksstrategie – es braucht stabile und verlässliche Leitplanken, damit Planungs- und Investitionssicherheit für Erzeugung, Netze, Wärme und Speicher bestehen kann.
Der Erfolg der Energiewende entscheidet sich nicht mehr primär durch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Erzeugung, sondern im Zusammenspiel von Infrastruktur, Systemintegration und pragmatischer Priorisierung. Investitionen müssen dorthin fließen, wo sie die größten Effekte erzielen – vor allem in die ersten 80 bis 90 Prozent der Emissionsminderung, wo eingesetztes Kapital die maximale Wirkung entfalten kann. Zugleich machen die aktuellen Energiepreisschwankungen und drohenden Engpässe auf dem Weltmarkt in Folge des Irankriegs deutlich, wie wichtig eine robuste Versorgungsinfrastruktur und eine diversifizierte Energieversorgung für die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands und Europas sind.
Wir nehmen diese Verantwortung an – vor Ort. Kommunen und regionale Energieversorger werden immer stärker zu Systemmanagern: Wir koordinieren hochkomplexe, vernetzte Energie- und Wärmesysteme, verantworten die Weiterentwicklung von Netzinfrastruktur, steuern vielschichtige Ausbauprozesse und sorgen dafür, dass Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit vor Ort zusammenfinden. Wir gestalten die Transformation, indem wir Projekte planen, Genehmigungen vorantreiben, Netze ausbauen und die Wärmeversorgung dekarbonisieren. Unsere großen Infrastrukturprojekte zeigen, dass wir vorangehen: In der Fernwärme verdoppeln wir unser über 300 Kilometer langes Netz in den kommenden Jahren. Bereits bis 2030 schließen wir rund 60 städtische Ankerkunden an. Und wir entwickeln die Erzeugung vollständig klimaneutral weiter.
Am Heizkraftwerk West ersetzen wir die Kohleblöcke durch zwei wasserstofffähige Gasturbinen, deren Betrieb jährlich rund 400.000 Tonnen CO2 einsparen wird. Wir sind dabei auf der Zielgeraden. Planmäßig geht das neue Kraftwerk ab Herbst 2026 schrittweise in Betrieb – ein Meilenstein für Klimaschutz und Versorgungssicherheit.
Außerdem verdoppeln wir in den kommenden Jahren die Leistung des Frankfurter Stromnetzes um 1.000 Megawatt, verlegen dabei bis 2040 über 1.000 Kilometer neue Leitungen und bauen rund zehn zusätzliche Umspannwerke. Auch beim Thema Elektromobilität bauen wir aus: Mit 760 Ladepunkten gehören wir heute zu den größten Betreibern der Region, bis 2030 sollen es mehr als 3.000 werden. Und auch bei den erneuerbaren Energien haben wir viel erreicht: Ende 2025 konnten wir vier neue Solarparks mit einer Leistung von insgesamt mehr als 20 Megawatt-Peak (MWp) in Ostbayern in Betrieb nehmen und verfügen damit nun über mehr als 300 Megawatt in über 20 Solar- und Windparks. Aktuell bauen wir beim Projekt „Schäferköppel“ an unserem ersten Windpark auf Frankfurter Stadtgebiet und wir haben zahlreiche weitere Projekte in der Pipeline – regional und bundesweit.
Wir haben viel vor und sind motiviert, unsere Projekte voranzutreiben und weiter zu investieren. Zur Wahrheit gehört, dass all dies nur gelingt, wenn zentrale Anforderungen erfüllt sind. Vieles liegt in unserer eigenen Hand: Die Finanzierung unserer Investitionen, der Ausbau unserer Nachwuchsförderung, die frühzeitige Sicherung von hochwertigem Material und zuverlässigen Dienstleistern. Auf andere Faktoren haben wir weniger Einfluss: politische Entscheidungen und regulatorische Vorgaben, Genehmigungsprozesse und Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff oder die Zulieferung ausreichender Mengen Strom nach Frankfurt am Main. Wir halten an unseren ambitionierten Zielen fest, betonen aber klar: Sie haben Voraussetzungen.
Die großen Fragen der Energiewende lassen sich nur gemeinsam beantworten. Deswegen gehen wir diesen Weg gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern, mit der Stadt Frankfurt und mit Ihnen, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre. Mehr als 3.400 Menschen arbeiten bei Mainova an der Energieversorgung der Zukunft. Ob in der Erzeugung, im Netz, im Vertrieb oder in der Verwaltung – jede und jeder im Haus trägt zum Erfolg Ihrer Mainova bei. Partnerschaftliche Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung sind dabei feste Bestandteile unserer Unternehmenskultur.
Sehr verehrte Aktionärinnen und Aktionäre, wir danken Ihnen für das Vertrauen in unser tägliches Handeln. Es bestärkt uns darin, diese Transformation engagiert, verantwortungsbewusst und mit klaren Prioritäten weiter voranzutreiben.
Mit den besten Grüßen
Dr. Michael Maxelon
Vorsitzender des Vorstands der Mainova AG