Unsichtbar, aber unverzichtbar
Mainova stärkt Frankfurts Energie-Rückgrat
Dass Strom zuverlässig fließt, ist für viele selbstverständlich. Damit das so bleibt – auch angesichts des steigenden Bedarfs aufgrund der zunehmenden Elektrifizierung des Alltags durch Wärmepumpen, Ladepunkte für E‑Mobilität, neue Rechenzentren & Co. – verstärkt Mainova das Frankfurter Stromnetz. Ein Blick hinter die Kulissen des Infrastrukturausbaus, der Frankfurts Energiezukunft neu definiert.
Rückgrat des städtischen Lebens
Wenn der Strom ausfällt, geht nicht allein das Licht aus. Fahrstühle bleiben stecken, Supermarktkassen verstummen, Serverräume werden dunkel, Ladestationen für E‑Autos verlieren ihren Stromfluss und Handys geben nach und nach den Geist auf.
Erst in solchen Momenten wird sichtbar, wie sehr unser Alltag von einer unsichtbaren, fein verzahnten Infrastruktur abhängt. Ein stabiles Stromnetz ist das Rückgrat des urbanen Lebens: Es hält die Stadt in Bewegung, es verbindet Menschen, es ermöglicht Komfort, Sicherheit, Fortschritt und Wohlstand.
Mehr Photovoltaik, mehr E‑Mobilität, mehr Anforderungen
Gerade deshalb ist der Ausbau des Stromnetzes in Frankfurt so wichtig. Er ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass die Stadt auch in Zukunft zuverlässig, klimafreundlich und leistungsstark mit Energie versorgt werden kann. Der Energiehunger der Bankenmetropole mit internationalem Flughafen und dem weltweit größten Internetknoten ist immens. Frankfurt verbraucht rund ein Prozent der elektrischen Energie, die in ganz Deutschland benötigt wird: 2024 landeten insgesamt rund 6,5 Terawattstunden an Strom bei privaten und gewerblichen Nutzern – also rund 6,5 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Und es wird immer mehr. Der Verbrauch stieg in den vergangenen zehn Jahren um mehr als ein Viertel. Rechenzentren verbrauchen dabei am meisten Energie. Sie haben mittlerweile sogar den Flughafen überholt.
Zudem wird auf dem Weg Frankfurts zur Klimaneutralität der Strombedarf weiter steigen. Damit Strom aus privaten Photovoltaikanlagen, großen Windparks und modernen Kraftwerken wie Mainovas Heizkraftwerk West sicher dorthin gelangt, wo er gebraucht wird, benötigt man leistungsstarke Leitungen und Umspannwerke sowie intelligente Netztechnik.
Von Streaming bis Wärmepumpe: Die Stromnachfrage klettert immer weiter
Wärmepumpen, Wallboxen zum Laden von E-Autos, Waschmaschine, Fernseher: Allein in privaten Haushalten ist der Strombedarf enorm. Der Stromhunger der Informations- und Kommunikationstechnik – also TV, Computer, Spielkonsole, Telefon, Internet – hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt und macht inzwischen mit über 27 Prozent den größten Anteil am Stromverbrauch im Haushalt aus. Dazu kommen über 50.000 Elektroautos in Frankfurt. Dabei machen Haushalte nur etwas über 20 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Stadt aus. Hauptverbraucher sind Gewerbe, Handel und Dienstleistungen inklusive der zahlreichen Rechenzentren sowie die Industrie.
Doppelte Power: Die Netze müssen mitwachsen
Damit die Menschen in Frankfurt auch in Zukunft auf eine sichere Versorgung mit Elektrizität vertrauen können, müssen die Stromnetze ertüchtigt werden. Hier geht es um zusätzliche und modernisierte Umspannwerke, um bestehende Kabel, die erneuert werden müssen, und um Leitungen, die durch leistungsfähigere Stränge zu ersetzen sind. Mainova arbeitet kontinuierlich daran, das Stromnetz zu modernisieren und auszubauen. Konkret bedeutet das: Mainovas Netztochter NRM Netzdienste Rhein-Main und Netzbetreiber TenneT erweitern die Stromversorgungskapazitäten in den nächsten Jahren um rund 1.000 Megawatt. Das entspricht einer Verdopplung und damit dem Bedarf einer Stadt mit 1.000.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, also beispielsweise zweimal Hannover.
Bis 2040 sollen für die Wärmewende – also den Umbau der Frankfurter Wärmeversorgung von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien – über 1.000 Kilometer neue Stromleitungen verlegt, rund zehn neue Umspannwerke gebaut und ein Großteil der bestehenden 40 Umspannwerke erneuert oder erweitert werden. Dafür investiert Mainova viel: In den nächsten fünf Jahren fließen rund 900 Millionen Euro in Bau- und Erneuerungsmaßnahmen.
Umbau der Umspannwerke: Operation am offenen Herzen
Die Umbauten an Mainovas Umspannwerken sind aufwendige Maßnahmen. Mal auf kleinstem Raum oder in luftigen Höhen mitten in der Stadt, mal in großen Dimensionen mit einer Planungszeit von mehreren Jahren – und stets im laufenden Betrieb, damit der Strom jederzeit zuverlässig weiter fließt. „Es ist immer ein komplexes Unterfangen“, weiß Ingenieur Jürgen Zobel. Er ist seit 2009 bei Mainova und seit 2015 bei der NRM und leitet den Umbau an einem der größten Umspannwerke in Frankfurt.
Hier kommt Höchstspannung mit 220 Kilovolt (kV) an, wird in Hochspannung (110 kV) umgewandelt und an kleinere Umspannwerke im Stadtgebiet verteilt. Dort wird sie in Mittelspannung (kleiner als 100 kV) umgespannt. Dabei dienen Höchst- und Hochspannung dem Transport von Strom über große Distanzen. Mittelspannung dient der Verteilung in die städtischen Umspannwerke, von wo aus sie in Umspannanlagen weitertransportiert und dort auf Niederspannungsniveau mit 750 Volt für den Straßenbahnverkehr und mit 400 Volt für Haushalte und Gewerbe gebracht wird.
Zobels Mammutprojekt an einem der wichtigen Knotenpunkte im Frankfurter Stromnetz hat eine Laufzeit von zehn Jahren: „Wir erhöhen allein an diesem Umspannwerk die Leistung von 580 auf 900 Megawatt und machen Frankfurt damit fit für die Zukunft“, umreißt der Projektleiter. Der Weg dorthin steckt voller Herausforderungen und beeindruckender Zahlen: In die Jahre gekommene Komponenten aus den 1970er Jahren müssen gegen modernste Technik ausgetauscht werden. Verbaut werden leistungsstarke Stromkabel von mehreren Hundert Metern Länge, aufgerollt auf riesigen Kabeltrommeln und mit einem Gewicht von über 25 Kilogramm pro Meter. Deshalb müssen sie per Schwerlasttransporter angeliefert werden. Das gilt auch für die Herzstücke der Umspannanlagen: die Transformatoren mit Gewichten zwischen 70 und 300 Tonnen. Die Anstrengungen lohnen sich: Mit der leistungsstarken Technik, neuen Schaltanlagen und zusätzlichen Transformatoren entsteht ein zukunftsfähiger Knotenpunkt, der Frankfurt nicht nur stabil versorgt, sondern die Stadt auch bereit macht für die steigenden elektrischen Lasten von morgen.
Lesen Sie hier, welches Schwergewicht am Umspannwerk Frankfurt-Nord die Netzkapazitäten verstärkt.
Bauen im Herzen der Stadt – trotz enger Räume und viel Verkehr
Unsichtbar, aber nicht untätig liegen tief unter der Straße die Energieadern der Stadt: die Stromkabel. Zum Ausbau des Stromnetzes gehören neben der Verstärkung der Umspannwerke auch die Erneuerung und der Ausbau der Stromleitungen. Dabei werden leistungsstarke 110‑kV‑Kabeltrassen erneuert oder komplett neu verlegt, oft über Kilometer hinweg und mitten durch dicht bebaute Stadtteile, um zuverlässig Strom für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen bereitzustellen. Das erfordert nicht nur präzise Planung, sondern auch viel Rücksicht auf Anwohnende, Verkehr und bestehende Infrastruktur, die teilweise seit Jahrzehnten unter Straßen und Plätzen liegt.
Manuel Marenk, seit neun Jahren bei Mainovas Netztochter NRM Netzdienste Rhein-Main, leitet ein Ausbauprojekt, das in wenigen Jahren dringend benötigte elektrische Leistung in den Osten der Stadt bringen wird. Dabei muss er in der 8,5 Kilometer langen Trasse nicht nur über 50 Kilometer Kabel in 2 bis 8 Meter tiefen Gruben verlegen, sondern auch den Riederwaldtunnel und das Gleisbett von Deutscher Bahn und Hafenbahn nördlich des Mains untertunneln. Auch hier besteht eine Herausforderung darin, beim Ausbau die Leistungsfähigkeit des Netzes aufrechtzuerhalten. Eine weitere ist die Arbeit im eng bebauten Stadtgebiet: Da müssen Straßen und Kreuzungen gesperrt, Busse und Autos umgeleitet, Kampfmittelerkundung und Erkundungsbohrungen durchgeführt werden. „Das erfordert minutiöse Planung und zum Schluss wird das Gesamtprojekt wirklich in Millimeterarbeit realisiert“, umreißt Marenk.
Ein Stück Frankfurter Zukunft in jedem verlegten Kabel
Es sind Projekte und Anstrengungen von enormem Ausmaß, die für die Bürgerinnen und Bürger zeitweise auch Einschränkungen mit sich bringen. Doch genau hier zeigt sich, warum sich dieser Einsatz lohnt: Ein ausgebautes und smartes Stromnetz ermöglicht eine klimaneutrale Energieversorgung, stärkt die Versorgungssicherheit und unterstützt die Lebensqualität in der Stadt. Es eröffnet Raum für Innovationen von der Quartiersversorgung über neue Speicherlösungen bis hin zu urbanen Energiekonzepten, die Erzeugung und Verbrauch lokal vernetzen. Mainova schafft damit die Grundlage für ein Frankfurt, das nachhaltig wächst – für die Menschen heute und für kommende Generationen.
Drei Fragen an …
Manuel Marenk, Projektleiter bei der NRM Netzdienste Rhein-Main GmbH
Er ist Projektleiter für die sogenannte Ostspange im Frankfurter Osten und damit zuständig für den Ausbau sowie die Verstärkung des regionalen Hochspannungsnetzes.
Wir befinden uns mitten in einem umfangreichen Ausbau unseres Stromnetzes, um den steigenden Energiebedarf zu decken. In Zusammenarbeit mit dem Übertragungsnetzbetreiber verdoppeln wir im Frankfurter Osten die Einspeiseleistung an einem der wichtigsten Übergabepunkte Frankfurts. Dieser Knotenpunkt war in den 2000er-Jahren noch in der Lage, den gesamten Strombedarf der Stadt bei Spitzenlast abzudecken. Das funktioniert heute längst nicht mehr.
Unser Ziel ist es, die Versorgungssicherheit auch bei steigendem Bedarf und möglichen Ausfällen zu gewährleisten. Die zusätzliche Leistung wird über die Ostspange weiter in Richtung Innenstadt geführt. Das Projekt Ostspange ist ein wichtiger Teil unseres Konzepts zur Zukunftssicherung der Stromversorgung Frankfurts.
Wir bauen im Frankfurter Osten eine 8,5 Kilometer lange Kabeltrasse von Norden nach Süden. Diese bringt in zwei Bauabschnitten die Leistung von Seckbach über den Riederwald bis in das Ostend. Wir kreuzen dabei Infrastrukturprojekte wie den Riederwald-Tunnel und die Nordmainische S-Bahn. Hier sind wir in regelmäßiger Abstimmung mit den Kollegen von Autobahn und DB, da wir diese Projekte nur mit Spezialtiefbau und akkurater Planung kreuzen können. Zudem stehen wir in engem Austausch mit der Baukoordination der Stadt Frankfurt, um sicherzustellen, dass alle Projekte in der Region reibungslos abgewickelt werden und der Verkehr weiterfließen kann.
Um die Übersicht zu behalten, verlasse ich mich auf eine gute Struktur und mein Team. Wir brechen das Projekt in kleinere, handhabbare Aufgaben herunter. So schaffen wir es, alle Eventualitäten zu berücksichtigen. Wir sind ein gutes und eingespieltes Team und ich bin zuversichtlich, dass wir jede Schwierigkeit im Projekt erfolgreich bewältigen werden.
„Mein Name ist Manuel Marenk und ich mache Stau." Mit diesen Worten stelle ich mich schon mal bei Veranstaltungen vor. Natürlich bin ich auch manchmal von Baustellen genervt. Aber man muss Folgendes bedenken: In anderen Teilen der Welt hängt gerne mal ein Kabelgewirr über dem Kopf. In Frankfurt ist der Großteil der Infrastruktur ordentlich unterirdisch verlegt. Das heißt aber auch: Bei Arbeiten muss man graben. Und das verursacht temporäre Einschränkungen.
Oft fallen Fahrbahnen und Parkplätze oder Geh- und Radwege weg, manchmal sind ganze Straßenzüge und damit Einfahrten gesperrt. Trotzdem müssen Not- und Rettungswege offengehalten und der Müll abgeholt werden. Wir sind uns bewusst, dass wir stören. Aber wir hoffen auf das Verständnis der Anliegerinnen und Anlieger und erarbeiten, wenn möglich, individuelle Lösungen auch in Einzelfällen.
Unser Ziel ist es, die Bauzeiten so kurz wie möglich und die Unannehmlichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger so gering wie möglich zu halten. Wir informieren umfassend über die Maßnahmen durch Besuche in Ortsbeiräten, Pressemitteilungen, Baustellenschilder und direkte Anwohnerkommunikation. Für Fragen und Anliegen haben wir eine spezielle Projekt-E-Mail-Adresse eingerichtet:
Häufige Fragen
Der Strombedarf in Frankfurt am Main wird sich bis in die 2030er-Jahre verdoppeln. Das liegt an der Energie- und Wärmewende, an der Digitalisierung, am Bevölkerungswachstum und an der Elektromobilität. Das macht einen umfangreichen Ausbau der Netze erforderlich.
Verbraucherinnen und Verbraucher werden an den Kosten über die Netzentgelte beteiligt. Diese sind Teil des Strompreises. Die Kosten legen die Netzbetreiber für die Nutzungsdauer auf alle Stromverbraucherinnen und -verbraucher in Deutschland um.
Das Elektron, das aus der Steckdose kommt, ist nicht dasselbe, welches ins Stromnetz eingespeist wurde. Eine Zuordnung ist physikalisch nicht möglich. Bei einem See entspricht die Menge Wasser, die herausfließt, derjenigen, die in den See gelangt. Genauso ist es beim Ökostrom: Je mehr Ökostrom ins Netz kommt, umso grüner ist der Strom aus der heimischen Steckdose. Das können Verbraucherinnen und Verbraucher auch durch die Wahl eines echten Ökostromtarifs beeinflussen.
Wenn eine Überlastung des Stromnetzes droht, dürfen Netzbetreiber den Strombezug von neuen, steuerbaren Wärmepumpen oder Ladestationen zeitweise begrenzen – in Ausnahmefällen und gegen eine Ermäßigung. Und auch nur auf eine Mindestleistung von 4,2 Kilowatt. Damit können Wärmepumpen weiterbetrieben und E-Autos in aller Regel in 2 Stunden für 50 Kilometer Reichweite nachgeladen werden.
Nein, die Meldung beim Netzbetreiber vor der Installation einer Balkonsolaranlage ist im Jahr 2024 entfallen. Auch die Anmeldung beim Marktstammdatenregister (Bundesnetzagentur) ist stark vereinfacht. Neben ihren persönlichen Daten müssen Betreiberinnen und Betreiber nur noch fünf Angaben zu dem Balkonkraftwerk eintragen. Vorher waren es rund 20.
Nein, das darf aus Sicherheitsgründen nur Fachpersonal, welches im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragen ist. Dies liegt an den hohen technischen Anforderungen, wie der Nutzung eines dreiphasigen Drehstromanschlusses (400 Volt).
Ja, in der Regel schon. Die NRM arbeitet seit Jahren mit Übertragungsnetzbetreibern zusammen, die die notwendige Leistung an den Netzkoppelstellen verlässlich bereitstellen. Darüber hinaus baut die NRM das Frankfurter Verteilnetz laufend aus
Dunkelflaute wird eine Wetterlage genannt, bei der über Stunden oder Tage nur sehr wenig Wind für den Betrieb von Windkraftanlagen weht und PV-Anlagen wegen fehlender Sonneneinstrahlung kaum Strom erzeugen können. Das kommt im Jahr immer wieder vor. In einem solchen Fall springen Reservekraftwerke an, die die Stromversorgung sichern.